Captured Tales

Lost in a World Too Big

Fizzlebop lebt erst seit Minuten und hat schon mehrere Beschwerden. Ein Fuchs, ein enttäuschender Funke und ein warmer Familienhaufen erschweren die Klage dieses Drachenbabys gegen das Universum.

Bill Tiepelman0 Kommentare
Das silberblaue Drachenjunge Fizzlebop mit riesigen türkisfarbenen Augen und schmollendem Mund unter dem Titel Lost in a World Too Big.

Eine schreckliche Ungerechtigkeit

Das Erste, was Fizzlebop nach dem Schlüpfen bemerkte: Die Welt war viel zu laut, viel zu hell und viel zu voll mit Dingen, die nicht sofort auf seine Bedürfnisse eingingen. Wirklich eine schreckliche Ungerechtigkeit.

Er blinzelte mit seinen riesigen blauen Augen und streckte seufzend die kurzen Flügel. Das Nest war leer. Seine Geschwister waren vor ihm geschlüpft und hatten nur zerbrochene Schalen und einen Rest Wärme hinterlassen. Wie typisch. Sie warteten nie auf ihn.

„Uff“, murmelte er und zog seinen winzigen Schwanz über das weiche Moos. „Bei der Geburt verlassen. Tragisch.“

Fizzlebop versuchte aufzustehen, kippte jedoch nach vorn, während seine kleinen Krallen über den Boden scharrten. „Oh ja, sehr majestätisch. Der künftige Herrscher der Lüfte, genau hier“, brummte er und rollte sich auf den Rücken. „Dann lasst mich doch gleich hier verenden.“

Über ihm wirbelte der Himmel in Pastellfarben, und Sterne funkelten, als hätten sie Grund zur Selbstgefälligkeit. „Hängt nicht einfach so geheimnisvoll da herum“, schnaubte er sie an. „Helft mir!“

Die Sterne halfen erwartungsgemäß nicht.

Mit großer Mühe setzte er sich auf und breitete dramatisch die Flügel aus, um das Gleichgewicht zu halten. Er blinzelte zum nahen Feuerschein, wo seine übrigen Nestgefährten bereits mit ihrer Mutter schmausten. Eines ihrer goldenen Augen blieb auf das Nest gerichtet. Fizzlebop, damit beschäftigt, das Universum anzufunkeln, bemerkte es nicht.

„Natürlich haben sie ohne mich angefangen“, murmelte er. „Warum auch nicht?“

Um zu prüfen, ob das Leben es wirklich auf ihn abgesehen hatte, versuchte Fizzlebop dann einen einzigen selbstbewussten Schritt. Sein Fuß traf einen besonders hinterhältigen Stein, und er landete prompt auf dem Gesicht.

„Ach, so läuft das also“, knurrte er und ließ sich auf die Seite fallen. „Gut. Dann bleibe ich eben hier. Allein. Für immer. Werde wahrscheinlich von etwas Großem mit vielen Zähnen gefressen.“

Kurzzeitig eine Naturgewalt

In der Nähe raschelte etwas.

Fizzlebop erstarrte.

Langsam und vorsichtig drehte er den Kopf – und sah einem Fuchs direkt ins Gesicht.

Einem sehr hungrig aussehenden Fuchs.

Der Fuchs legte den Kopf schief, offenbar verwirrt von einem Drachenbaby, das ihn mit tiefster Gereiztheit anstarrte.

Fizzlebop kniff die Augen zusammen. „Hör zu, übergroßes Nagetier“, sagte er voller frechem Selbstvertrauen. „Ich bin ein Drache. Ein Wesen aus Legenden. Eine Naturgewalt.“ Er blähte die Brust auf. „Ich werde Feuer auf dich speien.“

Stille.

Der Fuchs blieb unbeeindruckt.

Fizzlebop holte tief Luft, bereit, seine furchterregende Flamme zu entfesseln … und nieste.

Ein erbärmliches Fünkchen verpuffte in der Luft.

Der Fuchs blinzelte.

Fizzlebop blinzelte.

Dann ließ er sich seufzend auf den Rücken fallen und stöhnte. „Gut. Friss mich einfach, dann haben wir es hinter uns.“

Statt anzugreifen, beschnupperte ihn der Fuchs einmal. Vom Feuerschein her rollte ein tiefes Grollen, und hinter dem kleinen Drachen glitt ein silberner Schwanz über den Boden. Der Fuchs schnaubte unbeeindruckt und trabte davon. Fizzlebop sah nur den Rückzug.

„Ja, genau“, rief Fizzlebop ihm nach. „Lauf, Feigling!“ Er blieb noch einen Augenblick liegen und murmelte dann: „Ich wollte sowieso nicht gefressen werden.“

Schließlich rappelte er sich brummelnd auf und stapfte zum Feuerschein, bereit für einen dramatischen Auftritt und die Forderung nach seinem rechtmäßigen Platz beim Festmahl.

Denn wenn er schon in dieser ungerechten Welt leiden musste, konnten die anderen wenigstens mitleiden.

Die Familie muss sich verantworten

Fizzlebop marschierte – nun ja, wankte – zum Feuerschein und murmelte über Verrat, Vernachlässigung und die himmelschreiende Ungerechtigkeit, als Letzter geschlüpft zu sein. Seine winzigen Krallen knirschten auf dem bereiften Boden, und sein Schwanz zuckte bei jedem übertriebenen Schritt dramatisch.

„Oh ja, lasst das Baby einfach zurück“, brummte er. „Vergesst den armen, wehrlosen Fizzlebop. Als hätte ich nicht gefressen werden können oder so.“ Er hielt inne und schauderte. „Von einem Fuchs. Ausgerechnet einem Fuchs.“

Vor ihm flackerte das Lagerfeuer. Seine Geschwister wälzten sich wie die unkultivierten Bestien, die sie waren, in einem Haufen Fleischreste. Ihre Mutter, eine große silberne Drachendame mit Augen wie flüssiges Gold, lag in der Nähe, putzte ihre Flügel und sah, mangels eines besseren Wortes, selbstgefällig aus.

Fizzlebop kniff die Augen zusammen.

Sie hatten seine Abwesenheit bemerkt. Es war ihnen bloß egal gewesen. Das war Fizzlebops amtliches Fazit, gezogen ohne Berücksichtigung des wachsamen goldenen Auges, des warnenden Grollens oder des warmen Platzes neben seiner Mutter, den niemand sonst hatte besetzen dürfen.

Nun gut.

So ging das nicht.

Er holte tief Luft, sammelte jedes bisschen Ungerechtigkeit und Wut in seinem winzigen Körper und stieß einen Schlachtruf aus:

„WIE KÖNNT IHR ES WAGEN!“

Das ganze Nest erstarrte.

Seine Geschwister blinzelten ihn an, Fleisch baumelte aus ihren dummen kleinen Mäulern. Seine Mutter hob elegant eine Braue.

Fizzlebop stampfte vor. „Habt ihr IRGENDEINE Ahnung, was ich durchgemacht habe?“, verlangte er mit ausgebreiteten Flügeln zu wissen. „Wisst ihr, welche KÄMPFE ich bestehen musste?“

Stille.

Fizzlebop war es egal. Er würde es ihnen ohnehin erzählen.

„Erstens wurde ich verlassen“, erklärte er. „Verstoßen, dem Leid überlassen, gezwungen, allein zu schlüpfen wie ein tragischer Held in einer vergessenen Sage.“ Er legte eine Kralle an die Brust und blickte zum Himmel. „Und dann! Als wäre das nicht schlimm genug …“

Seine Mutter atmete laut durch die Nase aus. „Fizzlebop, du bist zwanzig Minuten später geschlüpft.“

Fizzlebop schnappte nach Luft. „Zwanzig Minuten? Ach so. Ich soll also einfach dankbar sein, dass meine eigene Familie mich in der grausamen, gefühllosen Wildnis hat umkommen lassen?!“

Seine Mutter starrte ihn an.

Seine Geschwister starrten ihn an.

Eines davon, ein pummeliger Drache namens Soot, leckte sich über den Augapfel.

Fizzlebop stöhnte. „Ihr absoluten Trottel.“ Er marschierte geradewegs zum Fleischhaufen, setzte seinen winzigen kalten Hintern hin und schnappte sich das größte Stück, das er finden konnte. „Ihr seid alle furchtbar, und ich hasse euch“, erklärte er, bevor er sich das Maul vollstopfte.

Seine Mutter seufzte und streckte die Flügel. „Du hast Glück, dass du niedlich bist.“

Fizzlebop winkte mit einer Kralle ab. „Ja, ja, ich bin entzückend, eine Freude, ein Geschenk für diese Familie.“ Er biss noch einmal ab und kaute nachdenklich. „Aber trotzdem solltet ihr alle für eure Verbrechen leiden.“

Seine Mutter stieß eine Rauchwolke aus, die er absichtlich als tiefe Scham und Reue deutete.

Mit nun vollem Bauch kuschelte Fizzlebop sich in den warmen Haufen seiner Geschwister. Sie nahmen ihn mit jener gelassenen Ahnungslosigkeit auf, die nur Drachen und sehr dumme Menschen zustande bringen.

Als er einschlief und sich der Schwanz seiner Mutter wärmend um sie legte, erlaubte Fizzlebop sich ein winziges, zufriedenes Grinsen.

Bei all seinem berechtigten Leid war es nicht das Schlimmste auf der Welt, Teil einer Familie zu sein.

Wahrscheinlich.

Platz für eine sehr kleine Meinung

Fizzlebop mag die ganze Welt für eine persönliche Unannehmlichkeit halten, doch dieser spektakuläre Schmollmund verdient einen Platz, an dem man ihn gebührend würdigen kann. Der Acryldruck von Lost in a World Too Big bringt seine perlmuttfarbenen Schuppen, rosa Flügel und riesigen blauen Augen in dein Zimmer – eine kleine tägliche Erinnerung daran, dass Sich-klein-Fühlen und sehr große Gefühle oft gemeinsam auftreten.

Als Begleiter bei weniger majestätischen Besorgungen trägt die Fizzlebop-Stofftasche dasselbe wunderbar beleidigte Gesicht hinaus in die Welt. Oder lass eine Grußkarte mit dem Drachenbaby für jemanden schmollen, der ein Lachen gebrauchen kann. Auf der Shopseite des Motivs findest du das passende Format für deinen eigenen kleinen Winkel des Universums.

Lost in a World Too Big als Acryldruck, Stofftasche und Grußkarte in einem pastellfarbenen Raum.

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